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28.Oktober 2014

Das „Huhn-Ei-Problem“ ist gelöst

Fluxys und Mattheeuws eröffnen LNG-Tankstelle

Die Eröffnung einer LNG-Tankstelle für LKW auf dem Gelände von Mattheeuws Eric Transport in Veurne stellt einen wichtigen Schritt für die Stellung von LNG als alternativen LKW-Kraftstoff in Belgien und Nordfrankreich dar.



Die Eröffnung einer LNG-Tankstelle für LKW auf dem Gelände von Mattheeuws Eric Transport in Veurne stellt einen wichtigen Schritt für die Stellung von LNG als alternativen LKW-Kraftstoff in Belgien und Nordfrankreich dar.

„Fluxys will den Teufelskreis beenden in dem sich die Entwicklung der LNG-Infrastruktur für das Speditionswesen befindet: Spediteure zögern auf LNG umzustellen, da es kaum LNG-Tankstellen gibt und andererseits werden nur wenige Tankstellen gebaut weil der Kundenstamm fehlt“ sagt Fluxys CEO Walter Peeraer. „Durch die Zusammenarbeit mit Eric Mattheeuws haben wir die Hemmschwelle für andere Spediteure gesenkt um die Umstellung von Diesel auf LNG durchzuführen.“

Fluxys baute die Tankstelle und kümmert sich um die Instandhaltung. Mattheeuws betreibt die Tankstelle und die Schwesterfirma Romac Fuels fährt das LNG mit Tankwagen vom Fluxys Terminal in Zeebrügge nach Veurne. Eni, ein kommerzieller Gaslieferant, ist auch in das Projekt eingebunden. Auch wenn die Tankstelle anderen Transportunternehmen zugänglich ist, wird Mattheeuws selbst ein wichtiger Endkunde sein: Beginn diesen Jahres kaufte Mattheeuws 26 LNG-betriebene Volvo. Dieser Auftrag bewirkt eine nennenswerte Entwicklung in der belgischen LNG-Landschaft: aktuell sind in Belgien nur 38 LNG-LKW gemeldet während es in den Niederlanden 327 und in Großbritannien 621 LNG-LKW sind. „Die Umstellung auf LNG bedeutet eine drastische Senkung der Emissionen und bringt zudem beträchtliche finanzielle Vorteile mit sich,“ fügt Eric Mattheeuws hinzu, Geschäftsführer des gleichnamigen Transportunternehmens.

Seine Tankstelle liegt nicht direkt an einer internationalen Autobahn. Sie zieht ihre Kunden durch einen niedrigeren Preis an und gründet ihre Kosteneffizienz auf den verkauften Volumina. Die geographische Lage an der Route zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland ist ein Vorteil: für professionelle Nutzer ist das Tanken in Großbritannien weniger attraktiv als auf dem Festland. Von England aus ist der erste kontinentale Stopp in Calais. Fuhrparkbesitzer, in der Sorge um illegale Passagiere, halten ihre LKW-Fahrer allerdings an, nicht in Calais anzuhalten. Ausnahmen nur dann, wenn sie unvermeidbar sind. Von Calais aus können LKW eine französische oder belgische Route wählen, vorbei an Veurne. Und im Vergleich zu französischen Autobahnen sind die belgischen ohne Mautgebühr.

Europäische Förderung

Die Europäische Kommission unterstützt LNG als alternativen Kraftstoff für LKW. Stefano Campagnolo, Transport-Projektmanager an der Innovation and Networks Executive Agency (Inea) der Europäischen Kommission: “Die neue LNG-Tankstelle wird höchstwahrscheinlich zu 50% von der Europäischen Kommission mitfinanziert. Die europäische Richtlinie über alternative Brennstoffe beabsichtigt die europäische Wirtschaft mit effizienteren Bezugsquellen zu versorgen bzw. deren Nutzbarmachung und damit unabhängiger vom Öl zu werden.“ Europa möchte außerdem, dass entlang der Hauptverkehrsrouten, in Abständen von ca. 400 km, LNG Tankstellen errichtet werden.

Für Fluxys ist dieses ein Pilotprojekt in Bezug auf Konstruktion, Technologie, Genehmigungen und auch um die Wirtschaftlichkeit einer LNG-Tankstelle herauszuarbeiten. Die Erfahrung, die in der Bauzeit gesammelt wurde, als auch das Feedback von Mattheeuws sorgen für Empfehlungen und das Wissen um „best practices“, das beim Bauen von zusätzlichen Tankstellen genutzt werden kann. Fluxys hat hohe Erwartungen an den Transport von LNG mithilfe von LKW, da dies eine besonders nützliche Alternative darstellt um Schiffe, LKW und kleine Industriekunden zu beliefern, die zu weit von einem Versorgungsnetz liegen und deren Verbrauch zu gering ist um den Bau von neuen Pipelines zu rechtfertigen.

Erhöhung von Kapazitäten

Fluxys beabsichtigt den Transport von LNG in Tankwagen bereits seit längerer Zeit und hat den Ehrgeiz, Zeebrügge als Drehscheibe für „small scale“ LNG zu stärken. LNG-LKW können im Fluxys-Terminal von Zeebrügge laden wo einer der Tanklager mit einer LNG-LKW-Ladestation verbunden ist. Die aktuelle Ladekapazität erreicht 4.000 LKW pro Jahr. Sie bevorraten Bestimmungsorte in Belgien, Niederlanden, Großbritannien, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Polen, Schweden und sogar im gasproduzierenden Norwegen. Bis jetzt sind vierzehn Unternehmen in dieser Nische tätig. Ein zweiter Hafendamm, der sich aktuell im Bau befindet, und ein fünfter Lagertank sollen das wachsende Angebot unterstützen. Die neue Mole soll im Laufe des nächsten Jahres in Betrieb genommen werden. Die vier bestehenden Lagertanks können zusammen 380.000 m³ Gas fassen. Der fünfte Lagertank ist von 160.000 auf 180.000 m³ optimiert worden. Für einen sechsten Lagertank wäre auf der künstlichen Halbinsel in der Nordsee nicht ausreichend Platz, daher schien es die beste Option zu sein, den fünften Tank so groß wie möglich zu machen, um auf den zukünftigen Verkehrswachstum vorbereitet zu sein. Mit den vier bestehenden Tanks kann Zeebrügge 110 Steckplätze pro Jahr bedienen. LNG-LKW-Beladung ist hier in den letzten Jahren stark gewachsen und Fluxys hat sein Angebot verbessert um die Verfügbarkeit und Flexibilität bieten zu können. Das aktuelle Abonnement-Zeitfenster bietet Kunden die Möglichkeit um sich die Nummern der Ladesteckplätze zu sichern, die sie von 2015 bis einschließlich 2024 nutzen wollen. Mit dem neuen 24/7 Service können Kunden auch außerhalb eines Geschäftstages und des 9 bis 5 Zeitplans ihre Ladetätigkeiten durchführen.

Zugleich möchte Fluxys-Zeebrügge weiterhin ein wichtiger Mitbewerber im „large scale“ LNG bleiben. Zur Zeit kann das Terminal 10% des europäischen Gasbedarfs abdecken. Die hohe Lagerkapazität bietet einen deutlichen Vorteil bei der Nachfrage an Lagerraum. Fluxys erwartet, dass diese Nachfrage steigen wird. Dies wird aus Gründen von Preisschwankungen durch das hohe amerikanische Schiefergasangebot, dem nuklearen Ablaufen in Japan und vertraglichen Einschränkungen bzgl. Entladung von Erdgas in bestimmten Regionen vermutet. Fluxys sieht auch Möglichkeiten für den Umschlag von LNG: LNG, das von Jamal auf eismeerausgerüsteten Tankschiffen ankommt und dann auf traditionelle Schiffe für südlichere Ziele und Ostasien umgeladen wird.

Quelle: Koen Mortelmans